Nele in Namibia

Weihnachten im Sommer

I              Wie fühlt sich das an?

Gemütlich eingemummelt in einer Decke. Bei Kerzenschein in heimeliger Wohnzimmeratmosphäre. Geschenkeübergabe mit der Familie. Gemeinsamer Kirchgang und gutes von Mama gekochtes Essen. So war Weihnachten für mich viele Jahre. So kenne ich es. So liebe ich es.

Bereits im letzten Jahr hat sich das geändert, als ich das erste Mal Weihnachten arbeiten musste. Aber die Familie war da. Auch wenn die Routinen neu gefunden und entdeckt werden mussten, war es doch ein segensreiches Weihnachtsfest.

Dieses Jahr war das Heimweh nach der gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre besonders groß. Mein Weihnachten ist dieses Jahr so völlig anders.

Weihnachten liegt hier mitten im Sommer. Hier an der Küste bei guten 25 Grad tagsüber. Advents- und Weihnachtsstimmung kam bei mir nicht so richtig auf.

Weihnachten im Sommer.

Selbst viele Gemeindeglieder sagen, Weihnachten ist erst im Gottesdienst. Dann wenn man die Kirche betritt und auf den herrlich geschmückten Weihnachtsbaum blickt (dass er aus Plastik ist, fällt eigentlich nicht auf). Der Adventskranz mit seinen vier leuchtenden Kerzen strahlt hell. Die Krippe steht prominent und liebevoll hergerichtet neben dem Altar. Indirekte Beleuchtung und Kerzenschein bringen sie zum Leuchten. Ja, da kam doch Weihnachten auf.

Zwei Frauen aus der Gemeinde richten die Kirche
wunderbar herrlich weihnachtlich her.
Ein Augenfunkeln für Krippenliebhaber*innen.

Na, ob der wohl echt aussieht 🙂

Es leuchten alle vier!

II            Der Tagesablauf

Mein Tag war natürlich auch arbeitsreich und das wiederum war mit viel Fahrerei verbunden. 16 Uhr fand zunächst der Krippenspiel-Gottesdienst in Swakopmund statt. Die Kirche war rappelvoll. Mit Kindern, Eltern und Großeltern. Der Kindergarten hatte ein ganz entzückendes Krippenspiel vorbereitet und die Kinder haben die Herzen der Eltern hüpfen lassen.

Nach dem Gottesdienst bin ich dann die 30km nach Walvis Bay gefahren, um dort den 18 Uhr Gottesdienst zu feiern. Dieser war leider nicht so gut besucht. Nur so 60 Leute circa. Aber immerhin deutlich mehr als sonst sonntags mit ihren 15 Leuten. Dort bin ich dann in verschiedene Krippenspiel-Rollen geschlüpft. Habe die Schürze des Wirtes über den Talar geschmissen, mit dem übergroßen Kochlöffel das Klopfen an der Tür des Wirtes nachgespielt oder die goldene Perücke für die Engel aufgesetzt und bin in das Alltagsoutfit der Hirten geschlüpft. Welche Rolle passt dir? Die des pragmatischen und lösungsorientierten helfenden Wirtes (ganz im Sinne der Nächstenliebe), die der Engel mit der frohen Botschaft, die sie aller Welt immer wieder erzählen: Gott ist da. Oder die Rolle der Hirten, die Gott entgegen gehen, so wie sie sind. Die sich aus ihrem Alltag herausrufen lassen beziehungsweise Gott in ihren Alltag hineinlassen. Vielleicht sind wir alle auch ein bisschen was von allen Rollen. So war meine Predigt und ich fand sie wirklich gut 😊

Danach bin ich wieder nach Swakopmund zurückgefahren. Ins Gemeindehaus, in dem ein „Weihnachten in Gemeinschaft“ stattfindet. Wir haben uns dieses Jahr überlegt, Menschen zusammenzubringen, die Weihnachten sonst alleine feiern würden. Drei Leute sind gekommen. Dazu noch eine Brass Band aus Katutura, dem großen armen Township bei Windhoek. Den conductor, den Leiter, habe ich in Deutschland kennengelernt. Er leitet auch einen wunderbaren Chor. Sie wollen nächstes Jahr mit einer Brassband aus Harsewinkel eine Tour in Namibia machen und auch bei uns ein Konzert geben und dazu schon einmal Kontakt aufbauen. Ich habe sie kurzerhand zu unserem Weihnachten in Gemeinschaft eingeladen. Sie haben uns mit Musik erfreut und sie wiederrum haben ein gratis leckeres Weihnachtsessen bekommen, dass das Team am Tag vorher vorbereitet hat (Gulaschsuppe). Es war ein Geben und ein Nehmen. Dazu noch eine Geschichte und gemeinsames Singen von Liedern.

Köstliche Gulaschsuppe.

Weihnachten in Gemeinschaft.

Brass Band.

Danach habe ich mich zurückgezogen und mit der Familie und Benjamin per Videocall Kontakt gehabt. War bei der Bescherung dabei. Wie schwer es für mich ist, dieses Weihnachten so anders zu erleben, spürte ich da ganz besonders. Sie haben mir gefehlt. Meine Eltern. Mein Bruder. Mein Freund. Aber irgendwie war ich ja dabei. Anders als sonst, aber das vertraute Zuhause zu sehen und die Interaktionen zu hören – das war fast so als wäre ich da gewesen.

Wie viele Menschen Weihnachten wohl alleine sind? Manche gerne und bewusst. Andere einsam und allein. Haben wir diese Menschen im Blick? Hier in Namibia laden sich viele – insbesondere ältere Menschen – gegenseitig an Weihnachten ein, damit niemand Weihnachten alleine verbringen muss. Vielleicht waren aus diesem Grund nur wenige zum „Weihnachten in Gemeinschaft“ gekommen?! Ich fand es dennoch genau richtig, dass wir als Kirchengemeinde gerade an Weihnachten offene Türen und Herzen haben und bin sehr froh und dankbar für diese Erfahrung.

Um 23 Uhr bin ich noch etwas verweint in die Christmette gegangen und das tat richtig gut. Mein Kollege hat einen wunderbaren Weihnachtsgottesdienst gemacht. Weihnachten ist auch in mein Herz eingezogen. Bei ihm und seiner Familie habe ich dann auch übernachtet und wir saßen bei ihnen noch ein bisschen zusammen und haben erzählt.

Ihm und seiner Familie bin ich sehr dankbar. Sie ermöglichen mir hier, dass ich mich entfalte, dass ich mich wohl fühle, dass ich willkommen bin. Sie laden mich ein und ich darf mich bei ihnen wie zuhause fühlen. Gott hat mir wieder einmal die richtigen Menschen an meine Seite gestellt. <3

Ein paar liebe Gemeindeglieder haben auch mir Geschenke gemacht. Bescherung gab es dann für mich alleine ein paar Tage nach Weihnachten. Viele leckere Kekse, ein individuelles Schneidebrett, Kerzen und Vakuumbeutel zum intelligenten Packen. DANKE 🙂

III           Weihnachten mal anders

Ja, Weihnachten war dieses Jahr wirklich anders. Wenig Vertrautes. Ohne meine Lieblingsmenschen. Mitten im Sommer.

Aber Weihnachten war dieses Jahr auch wirklich schön. Mit guter Musik. Neuen Leuten. Guten Gesprächen und mitten im Sommer.

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