Nele in Namibia

Mein Arbeitsplatz

Wie sieht eigentlich mein Arbeitsplatz aus? Kann man überhaupt sagen, dass ich einen Arbeitsplatz habe? Ich fühle, ja und nein.

I Mein Arbeitsplatz ist der Mensch

Mein Arbeitsplatz ist für mich an erster Stelle der Mensch. Klingt vielleicht ein bisschen komisch, wenn man einen Arbeitsplatz räumlich denkt, was per definitionem so ist. Aber für mich in meinem Beruf ist es immer der Mensch, um den es geht, mit dem ich zu tun habe und in dessen Umfeld ich mich bewege.

So ist mein Arbeitsplatz bei trauernden Menschen. Meist bei ihnen zu Hause.

Mein Arbeitsplatz ist bei den Verstorbenen. Jetzt zum ersten Mal zu einer Aussegnung im Krankenhaus. Ein Gemeindemitglied ist gestorben. Die Familie hat mich angerufen. Ich bin ins Krankenhaus gefahren, habe eine kleine Andacht gefeiert, den verstorbenen Menschen berührt und gesegnet.

Mein Arbeitsplatz ist bei den Jugendlichen (KonfiZeit und Jugendhauskreis). Das findet im Jugendkeller oder in anderen Gemeinderäumen statt. Aber mein Platz ist da, wo die Jugendlichen sind.

Mein Arbeitsplatz ist bei den älteren Menschen im Altenheim. Oder bei den Menschen zuhause, wenn ich Hausbesuche, Seelsorgebesuche oder Geburtstagsbesuche mache. Der Ort ist immer ein anderer. Ich weiß nie, was mich erwartet. Lebt die Person allein oder mit anderen, vielleicht mit Tieren? Wie geht es ihr? Was bewegt und beschäftigt sie gerade? Was sind ihre Sorgen und Ängst? Was sind ihre Hoffnung, Träume und Wünsche? Ist der Mensch ein offener Typ oder eher verschlossen, laut oder leise, interessiert oder nicht.

II Mein Arbeitsplatz ist die Kirche

Natürlich bin ich auch in der Kirche. Aber auch Kirche ist nicht gleich Kirche. Manche Kirchen haben für mich richtig Atmosphäre. Du fühle ich mich wohl. Da feiere ich gerne Gottesdienst. Da setze ich mich dann auch einfach mal rein und bleibe für mich und Gott.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann haben drei der fünf Küstengemeinden eine Kirche: Walvis Bay (direkt neben dem Pfarrhaus, in dem ich lebe), Swakopmund (1912 eingeweiht) und Lüderitz mit seiner Felsenkirche (auch 1912 eingeweiht). In Lüderitz war ich noch nie. Mein erstes Mal wird ein Wochenende im Dezember sein. Dann erst lerne ich die Gemeinde kennen.

Kirche in Swakopmund.

Dieselbige mit ein bisschen mehr Umgebung, aber schlechterer Qualität des Bildes.

Kirche in Walvis Bay.

Daneben gibt es noch die Gemeinden Helmeringhausen (in der Nähe von Lüderitz) und Henties Bay (in der Nähe von Swakopmund). Diese Gemeinden haben keine Kirchen. Die Gottesdienste finden bei den Menschen im Wohnzimmer oder auf den Farmen statt.

In der Kirche finden alle möglichen Formen von Gottesdiensten statt: Sonntagsgottesdienst, Konfirmation, Trauerfeiern, Trauungen, Taufen etc. All diese Gottesdienste sind aber auch an anderen Orten möglich. Ich habe es aber noch nicht erlebt.

Abendmahlsgottesdienst in der Kirche in Swakopmund. Englischer Gottesdienst am Abend, den ich zum allerersten Mal besucht habe. Die Sonne neigt sich. Die Lichtverhältnisse sind wunderschön und kaum auf Fotos festzuhalten.

Trauerfeier eines verstorbenen Gemeindemitglieds in der Kirche.

Manchmal finden auch Vorträge oder andere Veranstaltungen in der Kirche statt. Die Kirche hier in Walvis Bay ist zugleich auch Gemeinderaum. Das war der Vortrag von zwei Damen aus der Gemeinde, die den Camino, den Jakobsweg, gelaufen sind.

Ein Krankenabendmahl. Das Foto habe ich bei mir ihm Wohnzimmer nachgestellt. Stattgefunden hat es in einer Pflegeeinrichtung. Auch das ist mein Arbeitsplatz.

Mein Arbeitsplatz ist auch die Kanzel. Da übe ich Predigten. Da predige ich.

Die Kanzel in der Gemeinde in Walvis Bay.

Predigt üben von eben dieser Kanzel.

III Mein Arbeitsplatz sind die Altenheime

Das ist das Antoniusaltenheim. Oder auch: die Antonius Residenz. Es gehört zur katholischen Kirche, keine 500 Meter von unserer evangelischen Kirche entfernt. Ich liebe einfach diese Farben. Alle Altenheime haben wunderschöne Gärten. Richtig paradiesisch.

Aber auch da ist es der Mensch im Mittelpunkt. Der Mensch in seiner Beziehung zu Gott. Die Gottesdienste finden in den verschiedenen Altenheimen statt. Im Flur, der zugleich Aufenthaltsraum ist, in kleinen gemütlichen Nebenräumen oder auch in der Bibliothek des Altenheims.

Die Atmosphäre in jedem Altenheimgottesdienst ist anders. Die Leute sind anders. Reagieren anders auf das Gesagte, beteiligen sich anders. In Walvis Bay Altenheim „Huis Palms“ diskutieren wir in jeder Predigt. Das ist ganz anders als im Frail Care, also auf der Pflegestation. Ich mache zwar überall dieselbe Predigt (das hat was mit Arbeitsökonomie zu tun), aber die Predigt wird jedes Mal anders, je nachdem wo ich gerade bin.

IV Mein Arbeitsplatz ist bei mir zuhause

Das Pfarrhaus, in dem ich nun lebe.
Eigentlich ist es viel zu groß für eine Person.
Vor allem, wenn man weiß, dass manche Menschen hier,
zu was weiß ich wie vielen,
auf kleinstem Raum in einer shack (Wellblechhütte) leben.
Aber mir tut der Platz derzeit sehr gut. Er gibt mir Freiheit zum Bewegen und Denken. Orte zum Ausruhen und Orte zum Arbeiten.

Mein Arbeitsplatz das sind: Mein Büro. Manchmal mein Bett oder das Sofa. Ich brauche Platzwechsel, wenn ich die Arbeit vorbereite: Predigten, Gottesdienste, Trauerfeiern, Andachten, Sitzungen (von denen gibt es hier zum Glück deutlich weniger als in Deutschland) und vieles mehr.

Das nun also ein kleiner Einblick in meinen Arbeitsplatz hier in Namibia 🙂 Ich hoffe, ich konnte Euch einen Eindruck vermitteln. Fragt sonst gerne nach.

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