Nele in Namibia

Kirchcafé unter Palmen

Die ersten zwei Wochen in Namibia. Ich arbeite nun in der ELKIN (DELK), der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia (Deutsche Evangelische Lutherische Kirche). Und zwar an der Küste Namibias.

I         Ankunft in Windhoek

Gelandet bin ich safe and sound in Windhoek und wurde herzlich empfangen von der dortigen Jugenddiakonin Fanny (ausgebildete Religionspädagogin). Bei ihr habe ich die erste Nacht verbracht und von ihr habe ich die ersten Überlebensregeln gelernt.

  1. Alles abschließen. Immer.
  2. Nichts sichtbar im Auto liegen lassen.
  3. Nicht aus dem Auto steigen, wenn du als Frau alleine unterwegs bist. Auch nicht, wenn du von der Polizei angehalten wird.
  4. Nicht zu schnell fahren (das tut hier jede*r!!!) – die fine ist wirklich hoch!
  5. Umgang mit der neuen Sim-Karte (wie lade ich prepaid auf?!)

II        Tour zur Küste

Am nächsten Tag habe ich mir noch fix von einem Pfarrkollegen zeigen lassen, wie man einen Reifen wechselt. Und dann gings auf pad zur Küste, knappe 400km.

Einen Halt habe ich in Usakos gemacht, dort gibt es sehr gutes Biltong (getrocknetes und gewürztes Fleisch) zum Snacken.

Auch meine Fahrt nach Swakopmund, wo ich zum ersten Mal den Kollegen treffen sollte, lief reibungslos und ohne Probleme. Keine platten Reifen – nichts.

Nur, das Überholen hier in Namibia ist gefährlich, die Distanzen lassen sich nicht immer so gut abschätzen. Ein Trucker hat mir beim Überholen geholfen, ich hab seine Signale allerdings erst nicht verstanden. Er setzte den Blinker links und ich dachte, jetzt kann ich fahren. Doch es kam ein Auto. Er setzte den Blinker wieder auf dieselbe Seite und ich dachte ich könnte fahren, doch es kam ein Auto. Hier setzte der Lerneffekt ein. Dann blinkte er auf der rechten Seite und ich schaute vorsichtig vorbei und überholte dann, weil die Bahn frei war. Zum Dank setzt man hier kurz einmal Warnblinklicht und ich fuhr von dannen.

III       Ankunft an der Küste

In Swakopmund angekommen lernte ich meinen neuen Kollegen kennen. Ein Pastor, der hier fünf Küstengemeinden alleine bespielt, weil die Stelle in Walvis Bay vakant ist. Meistens landen Leute wie ich auf der Stelle – Auslandsvikar*innen. Alle paar Jahre gibt es dann für den Pastor hier personelle Unterstützung. Ich kann Euch sagen: Ich ziehe meinen Hut vor dem Kollegen.

Und ich ziehe meine Hut vor den Gemeinden, die immer wieder keine und dann wechselnde Pastor*innen haben. Sie müssen sich immer wieder neu einstellen, alles erklären und Leute wie mich einführen. Ich bin sehr dankbar, dass diese Gemeinde so offen und herzlich ist. Ohne diese Art wäre das nicht möglich!

Am Freitag, den 04. Oktober, bin ich abends nach einem netten kleinen Treffen mit dem Begrüßungskomittee, nur noch ins Bett gefallen. Der Samstag war für mich und ich konnte mich sortieren und einrichten, was ich mit meinen zwei Koffern so mitgenommen hatte.

So ein netter Willkommensgruß <3

Am Sonntag, den 06.Oktober fuhr ich dann die 30 km von Walvis Bay nach Swakopmund (das ist mein normaler Arbeitsweg jetzt!). Die Straße führt genau zwischen Atlantik und der Namib-Wüste lang. Morgens sehe ich den Atlantik, abends die Wüste. Ein herrlicher Anblick.

Im Gottesdienst wurde ich feierlich eingeführt und vorgestellt als die neue Pastorin, die in den Küstengemeinden der ELKIN (DELK) eingesetzt ist. Wir, also der Kollege Klaus-Peter Tietz und ich, haben uns auf den Begriff Pastorin geeinigt, auch wenn ich hier als Auslandsvikarin tätig bin. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen vertrete ich hier die freie Pfarrstelle in Walvis Bay. Zum anderen versteht die Gemeinde womöglich unter dem Begriff Vikarin, dass ich gerade vom Studium komme und beruflich unerfahren bin. Da ich aber ein abgeschlossenes Vikariat und zwei theologische Examina besitze, wäre der Begriff Vikarin in diesem Sinne irreführend. Rechtsstatus bleibt aber der einer Vikarin.

Nach dem Gottesdienst gab es noch ein Kirchkaffee zum Kennenlernen. Draußen im Gemeindegarten unter Palmen und bei Sonnenschein.

IV       Ran an die Arbeit

Am folgenden Tag dann wurde ich von meinem Kollegen in einige Abläufe eingeführt und mir wurden Menschen vorgestellt – unter anderem eine ganz wichtige Anlaufstelle: die Gemeindesekretärin Annette. Ich bin mit dem Pastor durch die vier (!) Altenheimandachten in vier Altenheimen getingelt und habe mich vorgestellt.

Zudem habe ich beim Jugendtreff, Kidsclub und FRED kurz reingeschaut und mich mit den jugendlichen Ehrenamtlichen bekannt gemacht. Die Stelle des*der Jugenddiakon*in ist seit September vakant. Der neue Jugenddiakon hat aber gerade sein Visum genehmigt bekommen und jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er den Flug bucht und sich auf den Weg macht. Ein Praktikant aus Wuppertal ist hier und ich werde schauen, dass ich ein wenig Mentorin für ihn bin, solange der Diakon noch nicht da ist.

Auch habe ich in zwei Bibelkreise reingeschaut. Einer besteht aus ehemaligen erwachsenen Konfirmanden aus dem Englischen Gottesdienst. Das sind junge Männer, die aus dem Township zur Gemeinde gefunden haben.

Am 13. Oktober war wieder Gottesdienst, in dem ich die Liturgin war und es einen Gastprediger gab, den neuen Pastor in Windhoek, der nun für sechs Jahre mit seiner Familie nach Namibia gezogen ist. Auch vor diesen sechs Jahren Auslandspfarramt ziehe ich den Hut.

V        Township-Tour mit Costa

Costa aus der englischen Biblegroup hat mich am Freitag 1 ½ Stunden durch das Township bei Swakopmund geführt. Das Township heißt Mondesa und hat einen Teil, der sich DRC (Democratic Resettlement Community) nennt. Es war einst ein informal settlement, also ein Gebiet, wo Menschen offiziell nicht leben durften, aber sich Hütten aus scrap material (Wellblechhütten) gebaut und sich dort niedergelassen haben. Die Regierung hat das DRC aber toleriert.

In DRC gibt es bis heute kein fließend Wasser und keinen Strom. In Mondesa muss man sich mit einer Chipkarte Zugang zu Wasser kaufen und Stromkästen werden erst nach und nach installiert. Es gibt mehrere Märkte, wo auch Hühnefüße gebraten werden.

Ich habe Costa viele Fragen gestellt, manche hat er nicht direkt beantwortet, sondern darauf verwiesen, dass das Leben in diesem Township nicht so schlimm ist wie im Township Katutura bei Windhoek.

Auch wenn ich schon oft Townships gesehen habe, so ist es doch immer wieder erschreckend, wie gut und versorgt ich lebe und wie wenig andere Menschen zum Leben haben. Mich hat das Gefühl von Hilflosigkeit überkommen – gerade wenn man auch die Massen an Menschen sieht, die da Leben – meist ohne wirkliche Perspektive daraus zu kommen.

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1 Kommentar

  1. Uwe und Marie Dezember 11, 2019

    Liebe Nele,
    haben gerade mal deine Seite geöffnet.
    Ist ja bis jetzt ganz schön anstrengend gewesen.
    Aber wir hören auch heraus, dass dir die Arbeit Freude bereitet.
    Auf jeden Fall ist diese Erfahrung, die du dort machst, etwas fürs Leben. Wir hier haben genug zum Leben. Darüber sollten viel mehr Menschen in Deutschland nachdenken. Auch wenn einige in unserem Land bedürftig sind, sind die Zustände in Afrika ganz bestimmt nicht prickelnd.

    Ganz Lieben Gruß von uns nach Namibia und sei umarmt von Gottes Güte. Er möge dich beschützen wo immer du auch bist.

    Marie und Uwe

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